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Phubbing?

Ein Wort geht in einer Nacht um die Welt und keiner weiß woher es kommt. Erfahrt was es mit dem Pubbing auf sich hat und wie das Wort entstanden ist.

Was bedeutet "Phubbing"?



Bei dem Begriff "Phubbing" handelt es sich um ein aktuelles Kunstwort, welches sich aus den englischen Begriffen "phone" (Telefon) und "snubbing" zusammen setzt. Das Wort "snubbing" bedeutet im Deutschen so viel wie Ab- oder Zurechtweisung. Es beschreibt also die Situation jemanden sprichwörtlich vor den Kopf zu stoßen. Das Wort "Phubbing" ist in aller Munde, geistert rund um den Globus und definiert also die Angewohnheit vieler Menschen, sich während einer realen Unterhaltung mit dem Smartphone zu beschäftigen. Dieses Verhalten ist weit verbreitet und wird in der Gesellschaft oft als sehr unhöflich empfunden. Es baut eine kommunikative Barriere auf. Denn wer kennt diese Situation nicht? Mitten in einem Meeting oder beim Kaffeetrinken mit der besten Freundin beschäftigt sich das Gegenüber auf einmal mit dem Handy. Die aktuellen Statusmeldungen bei Facebook werden gecheckt, die SMS vom Partner wird gelesen oder es wird mal eben schnell eine Whatsapp-Nachricht verfasst. Ebenso werden E-Mails abgerufen oder nur mal kurz aktuelle Tweets geschrieben. Es scheint so als ginge von diesen ständig neu erscheinenden Nachrichten auf dem Smartphone-Display eine große Faszination aus. Ein Reiz, der größer ist als die Chance mit seinem Gesprächspartner eine anregende Unterhaltung zu führen. In der Folge wird der reale Mensch vernachlässigt. Das ärgert viele Leute. Und genau dieses Phänomen trägt jetzt den Namen "Phubbing". Ist der Blick auf das Smartphone tatsächlich einmal nicht zu vermeiden, da eine wirklich wichtige Nachricht erwartet wird, so empfiehlt es sich das vorher freundlich anzukündigen und kurz zu begründen. Weist man Leute, die dies nicht tun, auf ihr unhöfliches Verhalten hin, so erntet man oft nur ein müdes Lächeln. Um gegen diese Unsitte vorzugehen, startete der 23-jährige Student Alex Heighs aus Australien eine Kampagne namens "Stop Phubbing". Mit der Aktion wird auf den durch Smartphones hervorgerufenen gesellschaftlichen Sittenverfall aufmerksam gemacht. Die Kampagne hat die Sensibilisierung der Internet-Gemeinde für dieses Thema zum Ziel. Auf vielen Ebenen informiert die dazugehörige Website über konkrete Ausbrüche des Phubbings. Die Palette der aufgeführten Beispiele reicht von politischen Angriffen bis hin zu unachtsamem Restaurant-Personal. Als Gegenmaßnahme wird das Verteilen von Postern empfohlen. Außerdem wird eine vorformulierte Briefvorlage angeboten, die man seinen Mitmenschen als Denkzettel zukommen lassen kann. Aber größeren Effekt als eine solche vorformulierte Nachricht hat wohl die Aufmerksamkeit, die der Begriff Phubbing erzeugt.



Wie entstand das Wort "Phubbing"?



Medien aus aller Welt ächten das Phubbing. In einem Artikel wird sogar von "anti-sozialem Telefonverhalten" gesprochen. Und das ist nur eines von unzähligen Beispielen. Doch das wirklich Erstaunliche daran ist, dass „Phubbing“ gar nicht existiert. Der viel beschriebene Trend ist nichts weiter als eine gelungene Marketingkampagne zur Bewerbung eines australischen Wörterbuches, dem Macquarie Dictionary. Sogar Fernsehsender wie N-TV oder RTL und große Zeitungen wie der "Kölner Stadtanzeiger" oder der "Tagesspiegel" vielen darauf rein. Schöpferin dieser genialen viralen Kampagne ist McCann Melbourne. Ihre Idee war es ein Wort zu kreieren, das ein momentan aktuell auftretendes gesellschaftliches Verhalten beschreibt. So sollte durch eine Wortdefinition die Bedeutung von Wörterbüchern veranschaulicht werden. In der Folge wurde das "Phubbing" geboren. Selbst die Gegenkampagne "Stop Phubbing" ist Teil der Inszenierung und dient dazu die Menschen auf das neue Wort aufmerksam zu machen. Denn Werbung im klassischen Sinne wäre nicht möglich, da auf diesem Weg sofort offensichtlich wäre, dass eine geplante Kampagne dahinter steckt. Die auf der dazugehörigen schlicht gestalteten Homepage veröffentlichten Statistiken dokumentieren erstaunliche Ergebnisse. So soll beispielsweise 97% der Befragten das Essen nicht mehr geschmeckt haben, nachdem ihr Gegenüber sich mit dem Handy beschäftigt hat. Weiter heißt es, dass 87% der Teenager es bevorzugen sich Nachrichten zu schicken anstatt ein persönliches Gespräch zu führen. Doch all diese Angaben verfügen über keine Quellen. Es fehlt ihnen jegliche Grundlage. Kurz um, sie sind frei erfunden worden. Ein weiterer kluger Schachzug von McCann war die so genannte "verdeckte PR". Der Schöpfer der Stopphubbing-Homepage (in Wirklichkeit ein Mitarbeiter von McCann) brachte die Zeitung "The Herald Sun" darauf einen digitalkritischen Beitrag über seine Homepage zu schreiben. Von diesem Zeitpunkt an verselbstständigte sich der Lauf der Dinge und die Medienberichte vervielfältigten sich. Die langfristig angelegte Kampagne zeigt, dass unser Wortschatz sich permanent weiter entwickelt. Darum eignet sich die Kampagne natürlich auch, um zu demonstrieren wie essentiell es ist ein überarbeitetes Wörterbuch zu haben. Alles in allem wird deutlich, dass es für das Marketing interessant ist neue Worte zu finden. Denn Sprache ist ein lebendiges Mittel, das sich der Masse anpasst. Das kann man sich in der Werbung zu Nutze machen und Wortneuschöpfungen mit Markennamen verknüpfen. Sprache prägt unser Bewusstsein. Die Macht der Worte ist nicht zu unterschätzen. In der Vergangenheit wurden oft aussagekräftige Slogans zu Werbezwecken genutzt. Aber der Sprachwandel beschleunigt sich immer mehr. Es ist an der Zeit zu Vermarktungszwecken neue Worte zu bilden, die die Philosophie der Marke widerspiegeln. Das Wort Phubbing ist der beeindruckendste Beweis dafür, wie gut es funktionieren kann. Spannend bleibt die Frage, ob die Medienwelt in Zukunft ein geschultes Auge entwickelt oder wieder so leicht auf eine Werbekampagne reinfällt.